Naumburg eine Lutherstadt?

Die Geschichte der fast 1.000 Jahre alten Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten wie Dom, Marientor und Stadtkirche St. Wenzel sind vielfältig miteinander verknüpft. Spannend zeigt sich die reformatorische Entwicklung: Ein Meilenstein in der Kirchengeschichte war die Einsetzung des weltweit ersten evangelischen Bischofs durch Martin Luther im Naumburger Dom.

Zwei Mal war Luther nachweislich in Naumburg
Auf seiner Reise zum Reichstag nach Worms machte er vom 4. bis 5. April 1521 Station in Naumburg. Die Reisegesellschaft wurde in allen Ehren empfangen und festlich bewirtet. Wie es heißt, sei die ganze Stadt auf den Beinen gewesen, um den Wittenberger Mönch zu sehen. Seit 1526 wandten sich die Naumburger Ratsherren immer wieder an Luther, um sich in Glaubensfragen beraten zu lassen. Sie ließen die neue Kirchen- und Schulordnung durch den Reformator prüfen und Prediger für die Stadtkirche St. Wenzel vermitteln. Als es 1542 zur Neubesetzung des Bischofsamtes für das Bistum Naumburg-Zeitz kommt, nimmt sich Luther die Zeit, um mit den Naumburger Stiftsständen eine geeignete Lösung zu finden. Dem Besuch Luthers waren Bestrebungen des Kurfürsten vorausgegangen, ein evangelisches Bistum einzurichten. Das Domkapitel war damit nicht einverstanden, hatte es doch schon ein Jahr zuvor Julius von Pflug, einen Mann des Papstes, zum neuen Bischof von Naumburg-Zeitz gewählt und damit versucht, der  ntscheidung des Kurfürsten zuvorzukommen. Der Kurfürst hatte die Wahl für ungültig erklärt und setzte, nachdem Luther und Medler abgelehnt hatten, Nikolaus von Amsdorf als Bischof ein. Die Bischofsweihe und Einführung fand am 20. Januar 1542 im Naumburger Dom statt. Luther selbst bestieg die Stufen des Ostlettners, um hier in einer „sehr gewaltigen und tröstlichen“ Predigt über das Bischofsamt zu reden. Zum Schluss kniete Amsdorf vor Luther nieder, gelobte Treue zum Amt und wurde durch Handauflegen geweiht.

Luther Originalschauplätze

Markt 3
Im Hause des Bürgermeisters Greßler wohnte Luther mit seinen Begleitern auf dem Weg nach Worms im April 1521.

Markt 13
Anlässlich der Amtseinführung Nikolaus von Amsdorf in sein Bischofsamt nahm Luther im Haus der Witwe des Stadtschreibers Ambrosius Dörffer Quartier.

Naumburger Dom
Die Einführung Amsdorfs in das Amt des Bischofs fand im Dom statt. Auf den Stufen vor dem Ostlettner predigte Luther ,,sehr gewaltig”.

Wenzelskirche
Es ist nicht nachgewiesen, dass Luther die Wenzelskirche betreten hat. Jedoch soll er die Kirche eine „Predigermörderin“ genannt haben. Hier befindet sich das bekannte Gemälde ,,Luther und der Schwan”.

 

Ein Meilenstein für den erstarkenden Protestantismus
Nikolaus von Amsdorf (1483 - 1565), Luthers vertrauter Freund und unbeugsamer Mitarbeiter am Reformationswerk, entstammte einer Adelsfamilie. Im Jahr 1500 begann er sein Studium in Leipzig, 1503 ging er als einer der ersten Studenten an die neue Universität "Leucorea" in Wittenberg. 1516 bekannte sich Amsdorf zur reinen Lehre Luthers und schloß sich 1517 der Reformationsbewegung an. Die Zeit des evangelischen Bischofs, wird auch als "Naumburger Bischofsexperiment" bezeichnet. Nikolaus von Amsdorf (1483-1565) zählt zum engsten Freundeskreis Martin Luthers und gehört zu den wirkungsvollsten Theologen der Reformationszeit. Vor 475 Jahren wurde er in Naumburg am 20. Januar 1542 zum ersten evangelischen Bischof in Naumburg durch Martin Luther eingeführt.

Nach dem Tod des Naumburger Bischofs, Philipp von der Pfalz, entbrannte ein Streit um die Bischofsnachfolge. Neben dem vom Domkapitel gewählten und auf Vermittlung bedachten Julius Pflug ernannte Kurfürst Johann Friedrich als Gegenbischof Nikolaus von Amsdorf. Durch die doppelte Bischofsernennung herrschten zeitweise zwei Bischöfe, wodurch das gesamte Bistum Naumburg gespaltet wurde. Die machtpolitischen Interessen führten dazu, dass eine Einigung zwischen dem evangelischen und dem römischen Lager nicht zustande kam. Auch heute noch ist die Frage aktuell angesichts der Strukturreformen in den Kirchen. Wie können Maßnahmen zur Reform der Kirchen gelingen, ohne in Streit zu geraten und Spaltungen in den Gemeinden hervorzurufen?

Luthers Zwischenstopp beim Triumphzug
Luther hält erstmals 1521 auf seinem Triumphzug zum Wormser Reichstag in Naumburg. Gut zwanzig Jahre später weiht er auf Drängen des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen am 20. Januar 1542 Nikolaus von Amsdorf im Naumburger Dom St. Peter und Paul zum ersten evangelischen Bischof. Damit setzt Luther nicht nur einen Meilenstein in Naumburgs Kirchengeschichte, sondern auch für den erstarkenden Protestantismus. Die Ordination von Amsdorfs endet in letzter Konsequenz im Schmalkaldischen Krieg. In der Stiftskirche zu Zeitz, dem heutigen Dom St. Peter und Paul, hielt Amsdorf am 22. Januar 1542 seine Antrittspredigt. Luther, der gemeinsam mit Melanchton und anderen Reformatoren der Antittspredigt gelauscht hatte, predigte am Nachmittag des selben Tages in der Franziskaner-Klosterkirche. Amts- und Wohnsitz Nikolaus von Amsdorfs, des ersten und einzigen evangelischen Bischofs, wurde der Westflügel im sogenannten Naumburger Schlösschen am Marktplatz und später das Zeitzer Bischofsschloss. Amsdorf starb am 14. Mai 1565 in Eisenach.

Der Naumburger Reformator Nikolaus Medler
Prägendste reformatorische Persönlichkeit Naumburgs ist jedoch Nikolaus Medler. 1536 tritt er die Stelle des Superintendenten in der Stadtkirche Sankt Wenzel an und erhält die Aufsicht über 32 Kirchen. Ein Jahr später verfasst er eine Kirchen- und Schulordnung, die auf der Wittenberger Ordnung beruht und von Luther ausdrücklich gebilligt wird. Diese Ordnung wird zur Grundlage für Medlers reformatorische Arbeit in Naumburg.  

Bischofsweihe im Naumburger Dom

Amtseinführung des weltweit ersten evangelischen Bischofs durch Martin Luther
Die Einsetzung des ersten lutherischen Bischofs der Welt am 20. Januar 1542 im Naumburger Dom Die reformatorische Bewegung, die 1517 in Mitteldeutschland ihren Ausgang genommen hatte, erfasste bereits sehr früh auch das Naumburger Bistum - ein ... [mehr]