Das Naumburger Theater wurde mit dem STADTUMBAU AWARD Sachsen-Anhalt 2025 ausgezeichnet. Damit würdigte die Jury die gelungene Transformation des ehemaligen Schlachthofs am Markgrafenweg zu einem innovativen städtischen Theater.
Der Landeswettbewerb stand in diesem Jahr unter dem Motto „Städte gestalten – Verloren geglaubte Orte wiederbeleben“. Die Preisverleihung fand am 6. November 2025 im Kulturhaus von Gröningen (Bördekreis), der Stadt des Vorjahressiegers, statt. Die Auszeichnungen wurden von Dr. Lydia Hüskens, Ministerin für Infrastruktur und Digitales, und Dr. Mario Kremling, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Stadtumbau, überreicht.
Zum zweiten Mal in der Geschichte des Wettbewerbs wurden in diesem Jahr zwei Projekte ausgezeichnet: Neben dem Naumburger Theater erhielt auch das Projekt „Lehm-Bau-Kultur“ in der Schwemme in Halle (Saale), das durch ein starkes bürgerschaftliches Engagement geprägt ist, den STADTUMBAU AWARD. Insgesamt standen fünf Projekte in der engeren Auswahl, die in Filmbeiträgen und vertiefenden Interviews auf der Bühne vorgestellt wurden.
Jurymitglied Dr. Mario Kremling würdigt das Naumburger Projekt: „Mit vergleichsweise geringem Finanzaufwand ist hier ein neuer Standort für Kunst und Kultur in einem ehrwürdigen Denkmal entstanden“. In der offiziellen Mitteilung des STADTUMBAU AWARD Sachsen-Anhalt heißt es außerdem: „Der neu entstandene multifunktionale Veranstaltungsort erzeuge zahlreiche Synergieeffekte, die dem ehemaligen ‚Lost Place‘ eine langfristige Nutzung zuweisen“.
Oberbürgermeister Armin Müller zeigt sich stolz: „Der STADTUMBAU AWARD Sachsen-Anhalt ist eine tolle Auszeichnung für unsere Stadt, die so nicht zu erwarten war. Denn die Konkurrenz war in diesem Jahr mit insgesamt 20 Bewerbungen so groß wie noch nie. Mit dem Preis hat das Land den denkmalpflegerischen Umgang der Stadt Naumburg (Saale) mit unserem alten Schlachthof und die Umgestaltung desselben in ein Theater als vorbildlich gewürdigt. Mein besonderer Dank gilt deshalb dem Sachbereich Stadtentwicklung und Bau und der gesamten Stadtverwaltung sowie dem Gemeinderat. Gemeinsam haben wir es geschafft, dieses wichtige Projekt für die Kultur in unserer Stadt zu realisieren.“
Auch Intendant Stefan Neugebauer äußert seine Freude: „Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung. Es ist für mein Gefühl eine Art offizielle Bestätigung unserer gemeinsamen Arbeit, denn der Stadt Naumburg als Bauherrin, dem Architektenbüro Zirkel und uns als Nutzer ist bei der Wiederbelebung des Alten Schlachthofs etwas Außergewöhnliches gelungen, das weit über die Region hinausstrahlt. Nicht nur die Besucherzahlen sprechen Bände, sondern auch die zwei Theatersäle, die Galerie und der Theatergarten eröffnen uns ganz neue Möglichkeiten, die über den reinen Theaterbetrieb hinausgehen. Möge uns dieser Preis inspirieren und zu neuen Ufern führen.“
Vom „Lost Place“ zum lebendigen Kulturzentrum
Nach langer Suche nach einem neuen Standort für das zu kleine und stark sanierungsbedürftige Theater am Naumburger Kramerplatz fiel die Wahl auf das Ensemble des alten Schlachthofs am Markgrafenweg. Das Gebäude diente bis in die 1990er Jahre als Schlachthof, stand anschließend über viele Jahre leer und wurde nur zeitweise als Flüchtlingsquartier sowie Impfzentrum genutzt. „Der alte Schlachthof ist ein tolles Bestandsgebäude, das, gemessen an der Grundstruktur, förmlich unser Theater werden wollte“, sagt Andrea Böhm, die beim Sachbereich Hochbau der Stadt Naumburg (Saale) das Projekt federführend betreute.
Die Bauarbeiten begannen im August 2022 und konnten im März 2025 abgeschlossen werden. Das Vorhaben wurde in enger Kooperation zwischen der Stadt Naumburg (Saale) als Bauherrin, dem Dresdner Architekturbüro Peter Zirkel Architekten – Gesellschaft von Architekten, und dem Naumburger Theater als Nutzer realisiert. Zudem waren zahlreiche Firmen und Dienstleister beteiligt. Während die bestehenden Gebäude umfassend um- und ausgebaut wurden, entstand das Foyer mit seiner markanten Spiegelglasfassade als Neubau.
Die Baukosten betrugen 3,75 Millionen Euro, die Gesamtkosten 4,85 Millionen Euro. Rund 2,8 Millionen Euro kamen aus Bundes- und Landesmitteln, unter anderem aus den Programmen „Stadtumbau Ost“ und „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“. Zahlreiche weitere Förderer und Spenderinnen und Spender unterstützten das Projekt; ihre Namen sind auf einer Tafel im Foyer verewigt. Besonders hervorzuheben ist eine private testamentarische Zuwendung von 1 Million Euro, gespendet für ein denkmalpflegerisches Projekt in Naumburg, die als Anschubfinanzierung diente.
Heute präsentiert sich der alte Schlachthof als multifunktionales Kulturzentrum mit rund 2.000 Quadratmetern Nutzfläche. Dazu zählen ein großer Saal mit über 100 Sitzplätzen, eine Studiobühne mit 70 Plätzen, eine Galerie, ein großzügiges Foyer, ein Café sowie Werkstätten, Fundus und Verwaltungsräume. Die neue Spielstätte bietet Platz für Schauspiel, Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und Gastronomie – und schafft so vielfältige Nutzungsmöglichkeiten weit über den klassischen Theaterbetrieb hinaus.
Die feierliche Eröffnung der neuen Theaterstätte fand am 25. April 2025 statt. Oberbürgermeister Armin Müller bezeichnete den Tag als „historisch für unsere Stadt“. Zum Auftakt zeigte das kleinste Stadttheater Deutschlands Shakespeares Tragödie „Hamlet“ in einer Inszenierung von Intendant Stefan Neugebauer – alle Aufführungen waren ausverkauft. Auch die folgenden Stücke und Veranstaltungen erfreuen sich einer großen Nachfrage und begeistern sowohl Besucherinnen und Besucher aus Naumburg als auch ein überregionales Publikum.
Der STADTUMBAU AWARD Sachsen-Anhalt
Der STADTUMBAU AWARD Sachsen-Anhalt wird seit 2018 jährlich verliehen, um herausragende Stadtumbauprojekte auszuzeichnen. Initiert wird der Preis vom Kompetenzzentrum Stadtumbau der SALEG Sachsen-Anhaltinische Landesentwicklungsgesellschaft mbH in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Infrastruktur und Digitales. Ausgezeichnet werden Kommunen, Initiativen und Vereine, die mit ihren Projekten die Lebensqualität in Städten nachhaltig verbessern.
In diesem Jahr ist zudem eine umfassende Publikation zu allen bisherigen Stadtumbau-Awards erschienen, herausgegeben vom Kompetenzzentrum Stadtumbau anlässlich des 35. Landesjubiläums. Darin werden unter anderem das Theater im Alten Schlachthof sowie das Naumburger Turbinenhaus, Gewinner des Jahres 2021, vorgestellt. Das Buch kann kostenfrei über die Webseite des Stadtumbau-Awards bestellt werden.
Weitere Informationen zum Stadtumbau-Award sind zu finden unter: www.stadtumbau-award.de. Dort ist auch der Nominierungsfilm des Naumburger Theaters verfügbar.