Nach umfangreichen Reparaturarbeiten erklingt das historische Dreiergeläut der Stadtkirche St. Wenzel bald wieder: Die drei Glocken, die über einen längeren Zeitraum verstummt waren, wurden in dieser Woche erfolgreich instand gesetzt und sind nun bereit für ihren ersten Einsatz.
Am kommenden Montag (24.11.), kurz vor der feierlichen Eröffnung der Naumburger Weihnachtskrippe, wird das Dreiergeläut erstmals wieder zu hören sein. Um 17.20 Uhr werden die Glocken für rund zehn Minuten läuten.
Am 17. November fand in der Glockenstube des Wenzelsturms zudem eine symbolische Scheckübergabe der VR-Stiftung an die Stadt Naumburg (Saale) statt. Anwesend waren Vertreter der VR-Stiftung, der Stadt Naumburg (Saale) sowie ein Mitarbeiter der ausführenden Firma "Glocken & Turmuhren Christian Beck" aus Kölleda, der die geplanten Arbeiten am historischen Dreiergeläut erläuterte.
Die Reparaturkosten in Höhe von 16.500 Euro konnten vollständig über Spenden finanziert werden. Den größten Beitrag leistete die VR-Stiftung der Volks- und Raiffeisenbanken in Norddeutschland mit 11.500 Euro. Weitere Unterstützung kam von der evangelischen Kirchengemeinde sowie von zahlreichen privaten Spenderinnen und Spendern.
Der große Dank der Stadt Naumburg gilt allen Unterstützerinnen und Unterstützern, die mit ihrem Beitrag ermöglicht haben, dieses bedeutende Kulturgut zu bewahren und wieder hörbar zu machen.
Hintergrund:
Das Dreiergeläut wurde im Jahr 1518 im Auftrag der Stadt Naumburg von dem Freiberger Glocken- und Geschützhersteller Matthias Hilliger gefertigt. „Martin Hilliger schuf meines Wissens das erste Dreiergeläut in Deutschland, das in einem sauberen Durdreiklang klingt“, so Christoph Schulz. Und über Hilligers Dreiergeläut für Naumburg schreibt der Glockensachverständige der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland: „Die Gussqualität, besonders die Oberfläche, ist atemberaubend glatt und ohne Fehler. Die Zierbänder sind so gut ausgeführt, dass man kaum Übergänge sehen kann. Die Halbreliefs zeigen starke künstlerische Qualität.“ Das Dreiergeläut von St. Wenzel ist in Sachsen-Anhalt wohl das einzige vollständig erhaltene mittelalterliche Geläut von einem Meister aus einem Guss.
Zu den wichtigsten Maßnahmen, die ergriffen werden, um das Dreiergeläut von St. Wenzel wieder zum Klingen zu bringen, gehören unter anderem:
- Das Anfertigen neuer, handgeschmiedeter Klöppel und die Nacharbeitung der porösen Anschlagstellen in den Glocken.
- Ferner der Einbau einer elektrischen Glockenläute-Anlage, um künftig ein sanftes Anfahren und Abbremsen sowie ein glockenschonendes Läuten des historischen Geläuts zu ermöglichen.